Klimabericht

Der Fünfte Weltklimabericht

Der im Deutschen meist Weltklimarat genannte zwischenstaatliche Ausschuss über Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) fasst im Abstand von fünf bis sechs Jahren in drei Arbeitsgruppen den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammen. Die ersten beiden Teile beschäftigen sich mit den physikalischen Grundlagen und mit den Folgen des Klimawandels, der dritte mit dessen Minderung. Der fünfte wurde 2013/2014 vorgestellt und mündet in der drastischen Aussage, dass wenn die Welt in den kommenden 15 Jahren nicht entschieden auf klimafreundliche Energien umsteige, würde sich das bitter rächen. Ende diesen Jahres (2015) findet in Paris die nächste große Klimakonferenz statt, auf der der die in den letzten Jahren diskutieren Forschungsergebnisse des Weltklimaberichtes mit einem verbindlichen Katalog an Maßnahmen verabschiedet werden sollen. www.de-ipcc.de

Das IPCC wurde 1988 von der World Meteorological Organisation (WMO) und dem United Nations Environment Programme (UNEP) eingesetzt als die Möglichkeit einer globalen Klimaänderung deutlicher wurde. Das IPCC hat die Aufgabe, in regelmäßigen Abständen (etwa 5 Jahre) den Zustand des Klimasystems und seine Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaftssysteme festzustellen und Möglichkeiten der politischen Gegensteuerung zu benennen. Das IPCC betreibt keine eigene Forschung, sondern bedient sich der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur. Seine Berichte werden im wesentlichen durch Wissenschaftler erstellt, die im Welt-Klimaforschungsprogramm (WCRP) tätig sind. Die ersten drei Berichte wurden 1990, 1995 und 2001 veröffentlicht. Nähere Informationen zum IPCC findet man im Internet unter www.ipcc.ch und zum WCRP unter http://www.wcrp.wmo.int.

Diese äußerst komplexen Modelle sind mit allen physikalischen Grundlagen ( Working Group I Report “The Physical Science Basis”) für alle Klimabereiche, mit den Auswirkungen des Klimawandels (Working Group II Report “Impacts, Adaptation and Vulnerability”) und den Maßnahmen (Working Group III Report ‘Mitigation of Climate Change’) detailliert beschrieben.

Der Vierte Weltklimabericht

Ergebnisse des Fourth Assessment Report (AR4)
Zusammenfassung des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Diese äußerst komplexen Modelle sind mit allen physikalischen Grundlagen ( Working Group I Report “The Physical Science Basis”) für alle Klimabereiche, mit den Auswirkungen des Klimawandels (Working Group II Report “Impacts, Adaptation and Vulnerability”) und den Maßnahmen (Working Group III Report ‘Mitigation of Climate Change’) detailliert beschrieben.

Zum den damaligen Vorwürfe an den IPCC und die Klimaforschung (sog. Climategate) hier eine ausführliche Zusammenstellung von Martin Kowarsch unter dem Titel „Wie neutral ist die Klimawissenschaft?“ (PDF, 657 kB).

Hier eine kurze Zusammenfassung des Artikels:Sehr viele in Deutschland haben […] nur die Vorwürfe, nicht aber deren Aufklärung über die Medien mitbekommen.[…] An dem Fehler bezüglich der Gletscherschmelze im Himalaya ist nichts zu rütteln. Auch die Zahl zur Fläche der Niederlande ist in dem Kontext, in dem sie im AR4 steht, schlicht falsch. Das niederländische Parlament war so erbost über die Fehler im AR4, dass es die (insbesondere die niederländischen) Klimaforscher harsch angriff – bis peinlicherweise herauskam, dass die fehlerhafte Zahl von einer niederländischen Behörde selbst stammte und von dieser so an den IPCC damals weitergegeben worden war.
Die weiteren Fehler, auf die einige Medien mit Pauken und Trompeten hinwiesen, erwiesen sich bei näherer Betrachtung als zu voreilige Fehlermeldungen. […] Beide Angaben sind aber […]  definitiv nicht als zentrale Aussagen des AR4 (oder als Grundlage für solche) zu werten. Dies wurde fälschlicherweise in manchen Medien behauptet. Auch ist zu bedenken, dass zwei Fehler in einem Bericht, der insgesamt etwa 2.800 Seiten umfasst und in dem ca. 450 Hauptautoren ca. 18.000 Fachstudien auswerteten, nicht gerade viel sind. Nachdem inzwischen auch der Untersuchungsbericht der niederländischen Umweltbehörde zum zweiten Teil des AR4 im Juli 2010 veröffentlicht wurde, dürfte der AR4 einer der meist geprüften Reports überhaupt sein. Kernergebnis des genannten Untersuchungsberichts: die IPCC-Kernaussagen sind weiterhin gültig.

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In seinem vierten Bericht, dessen Zusammenfassung am 2.2.2007 veröffentlicht wurde, stellt das IPCC folgende Änderungen im Klimasystem fest (wenn nicht anders gekennzeichnet, gelten die Änderungen für den Zeitraum 1906-2005):

Ursachen der Klimaänderungen

  • Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35% von 280 ppm auf 379 ppm im Jahr 2005 zugenommen. Die Zuwachsrate der letzten 10 Jahre ist die größte seit 50 Jahren. Der heutige Wert ist der größte in den letzten 650.000 Jahren. 78% der Erhöhung gehen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück und 22% auf Landnutzungsänderungen (z.B. Rodungen).
  • Andere wichtige Treibhausgase wie z.B. Methan und Lachgas, deren Konzentrationen seit 1750 um 148% bzw. 18 % zugenommen haben, machen zusammen etwa halb soviel aus wie der CO2-Anstieg.
  • Die für Klimaänderungen verantwortlichen Änderungen der Strahlungsbilanz werden vorwiegend durch Kohlendioxid verursacht, in kleinerem Umfang durch andere Treibhausgase. Änderungen der solaren Einstrahlung haben dagegen nur einen geringen Einfluss.

Beobachtungen

  • Die Erwärmung des Klimasystems ist ohne jeden Zweifel vorhanden. Die globale Oberflächentemperatur ist um +0,74°C gestiegen, und 11 der letzten 12 Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturzunahme der letzten 50 Jahre ist doppelt so hoch wie die der letzten 100 Jahre, und die Arktis hat sich doppelt so stark erwärmt wie im globalen Mittel.
  • Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen.
  • Rekonstruierte Daten aus Beobachtungen und anderen Quellen, wie z.B. Baumringdaten, deuten darauf hin, dass die Temperaturen der letzten 50 Jahre sehr wahrscheinlich höher waren als jemals zuvor in den vergangenen 500 Jahren und wahrscheinlich höher als in den vergangenen 1300 Jahren.
  • Die schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa 5% abgenommen.
  • Weltweit schrumpfen die Gletscher und tragen gegenwärtig mit 0.8 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.
  • Das Meereis verzeichnet in der Arktis seit 1978 einen Rückgang im Jahresmittel um 8% und im Sommer um 22%. In der Antarktis ist kein Rückgang zu sehen.
  • Die Eisschilde auf Grönland und der Antarktis verlieren gegenwärtig Masse durch Schmelzen und Gletscherabbrüche und tragen 0.4 mm pro Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei.
  • Die Temperaturen in den oberen Schichten des Permafrostsbodens haben sich seit 1980 um 3°C erwärmt, und die Ausdehnung des saisonal gefrorenen Bodens hat seit 1900 um 7% abgenommen, im Frühling sogar um 15%.
  • Die Ozeane sind im globalen Mittel wärmer geworden, bis zu Tiefen von 3000 m. Diese Erwärmung hat zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen.
  • Der Meeresspiegel ist seit 1993 durchschnittlich um etwa 3 mm pro Jahr gestiegen, im 20. Jahrhundert um 17 cm. Davon ist etwas mehr als die Hälfte verursacht durch thermische Ausdehnung des wärmeren Ozeans, etwa 25% durch Abschmelzen der Gebirgsgletscher, und etwa 15% durch das Abschmelzen von der Eisschilde.
  • Änderungen der meridionalen Umwälzbewegung im Atlantik (oft vereinfacht aber unzutreffend als “Golfstrom” bezeichnet”) können aus den vorliegenden Daten nicht abgeleitet werden.
  • Beobachtete Änderungen des Salzgehalts im Ozean sind ein Indikator für Änderungen von Niederschlag und Verdunstung, und für verstärkten Transport von Wasserdampf in der Atmosphäre von niedrigen zu höheren Breiten.

Zuordnung (Attribution)

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre wesentlich durch anthropogene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) verursacht worden ist.

Projektionen

  • Klimaprojektionen für die nächsten 100 Jahre lassen sich überzeugend durch Klimamodelle simulieren, die mit Energienutzungsszenarien angetrieben werden. Solche Modelle sagen – je nach Energienutzung – eine weitere Temperaturerhöhung und einen Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraus.
  • Für die letzte Dekade des 21. Jahrhunderts ist der wahrscheinlichste Wert der globalen Erwärmung  für das niedrigste Szenario 1.8°C (1.1–2.9°C), und für das höchste Szenario 4.0°C (2.4–6.4°C). Die größte Erwärmung findet dabei in hohen nördlichen Breiten statt.
  • Für die nächsten 2-3 Jahrzehnte hängt die projizierte Erwärmung nur wenig von den Annahmen über zukünftige Emissionen ab, und selbst bei einem sofortigen Ende aller Emissionen würde durch die Trägheit des Klimasystems ein weiterer Temperaturanstieg bis zu ca. 0.6°C erfolgen.
    Für den Anstieg des Meeresspiegels sind die Projektionen für 2090-2100:
    18–38 cm für das niedrigste und 26–59 cm für das höchste Szenario. Die Projektionen haben einen engeren Bereich gegenüber früheren Berichten, vor allem durch bessere Genauigkeit bei der thermischen Ausdehnung, sind aber nicht wesentlich von den früheren verschieden. Auch nach vollständigem Ende der Emissionen wird der Meeresspiegel über viele Jahrhunderte ansteigen, bedingt durch weitere Erwärmung des tiefen Ozeans. Allerdings gibt es eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung des grönländischen und des antarktischen Eisschilds, hier kann ein höherer Beitrag zum zukünftigen Anstieg nicht ausgeschlossen werden. Modellergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine dauerhafte Erwärmung deutlich über 3°C über Jahrtausende zu einem vollständigen Abschmelzen des grönländischen Inlandeises führen würde, entsprechend einem Meeresspiegelanstieg um 7m.
  • Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Meridionale Umwälzbewegung im Atlantik um durchschnittlich 25% im 21. Jahrhundert abnehmen wird. Die Temperaturen in der Atlantischen Region werden dennoch zunehmen, da der Einfluss der globalen Erwärmung überwiegt. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich dass es zu einem abrupten Zusammenbruch im 21. Jahrhundert kommt.
  • Der Niederschlag wird in höheren Breiten sehr wahrscheinlich zunehmen, während es in den Tropen und Subtropen (einschließlich der Mittelmeerregion) wahrscheinlich zu einer Verminderung des Niederschlags kommen wird.

Ein Kommentar zu Klimabericht

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